TTT – Trauma Tapping Technique

Die Trauma Tapping Technique (TTT) – auch Tension Tapping Technique genannt – ist eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode der Emotionalen Ersten Hilfe. Sie unterstützt Menschen dabei, akute Belastungen und Stressreaktionen zu regulieren und das Nervensystem wieder in einen Zustand größerer Ruhe und Stabilität zu begleiten.
TTT ist leicht zu erlernen, kommt nahezu ohne verbale Sprache aus und eignet sich deshalb besonders für die Arbeit in interkulturellen Kontexten oder überall dort, wo Sprache eine Barriere darstellt. Die Methode ist so einfach, dass sie auch von Kindern schnell erlernt und zur Selbstregulation eingesetzt werden kann.
Es ist nicht notwendig, belastende Erlebnisse ausführlich zu erzählen. Es genügt, die Erinnerung innerlich sanft zu streifen. Während das Klopfen die Regulation des Nervensystems unterstützt, kann das Erlebte Schritt für Schritt verarbeitet und integriert werden – ganz ohne intensive Konfrontation.


Die Vorteile von TTT

  • leicht zu erlernen – auch für Kinder
  • kann einfach innerhalb von Familien, Gruppen oder Gemeinschaften weitergegeben werden ("peer to peer")
  • eignet sich besonders für Gruppenarbeit und Situationen, in denen nur wenige Fachkräfte verfügbar sind
  • funktioniert weitgehend unabhängig von verbaler Sprache
  • unterstützt eine rasche emotionale Stabilisierung nach belastenden oder schockierenden Ereignissen
  • ist kulturübergreifend einsetzbar und unabhängig von religiösen oder sprachlichen Hintergründen
  • ermöglicht durch den Multiplikator-Effekt eine kostengünstige und nachhaltige Weitergabe


„Everybody can do it – you can do it“ – Gunilla Hamne

Entwicklung von TTT

Die Trauma Tapping Technique wurde von Gunilla Hamne, einer schwedischen Journalistin, Filmemacherin und Shiatsu-Therapeutin, entwickelt. Ausgangspunkt war die Thought Field Therapy (TFT), deren Prinzipien sie bewusst vereinfachte, um eine Methode zu schaffen, die möglichst vielen Menschen zugänglich ist – unabhängig von Sprache, Bildung oder therapeutischer Vorbildung.

Gemeinsam mit ihrem Partner Ulf Sandström gründete sie das Peaceful Heart Network. Seit mehr als zwanzig Jahren engagieren sich beide dafür, Menschen zu unterstützen, die Krieg, Flucht, Naturkatastrophen oder extreme Gewalt erlebt haben.

TTT entstand aus der Überzeugung, dass wirksame psychologische Hilfe einfach, unmittelbar und für möglichst viele Menschen verfügbar sein sollte. Deshalb steht neben der Begleitung einzelner Betroffener vor allem die Ausbildung lokaler Multiplikator*innen im Mittelpunkt. Menschen werden befähigt, das Erlernte in ihre Familien, Nachbarschaften und Gemeinschaften weiterzutragen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde TTT weltweit in Krisen- und Katastrophengebieten eingesetzt. Tausende Menschen erfuhren durch die Methode emotionale Entlastung und Unterstützung dabei, das Erlebte Schritt für Schritt zu verarbeiten und wieder mehr innere Stabilität zu finden.

TTT versteht Heilung jedoch nicht nur als individuellen Prozess. Wo Menschen gemeinsam Krieg, Flucht oder Gewalt erlebt haben, können auch Stabilisierung und Verarbeitung zu einer gemeinschaftlichen Aufgabe werden. So entsteht Hilfe, die nicht von außen abhängig bleibt, sondern in der Gemeinschaft selbst Wurzeln schlägt.

„The Peaceful Heart Network is a non-profit offering practical First Aid tools to resolve psychological trauma that anybody can learn and spread. Our aim is to relieve suffering and prevent violence.“
„Das „Peaceful Heart Network“ ist eine gemeinnützige Organisation, die praktische Erste-Hilfe-Methoden zur Bewältigung psychischer Traumata anbietet, die jeder erlernen und weitergeben kann. Unser Ziel ist es, Leid zu lindern und Gewalt vorzubeugen.“ Gunilla Hamne, Ulf Sandström

http://peacefulheart.se

Mehr lesen: Entstehung von TTT

Die Geschichte der Trauma Tapping Technique beginnt nicht in einem Therapieraum, sondern in Krisengebieten dieser Welt.

In den 1990er-Jahren arbeitete Gunilla Hamne als Journalistin und Filmemacherin mit den Schwerpunkten Menschenrechte und Ökologie. Auf ihren Reisen führte sie in vielen Ländern Gespräche mit Menschen, die Krieg, Genozid, Flucht oder Naturkatastrophen erlebt hatten. Immer wieder hörte sie bewegende Geschichten – und spürte zugleich ein wachsendes Unbehagen: Sie konnte Zeugnis ablegen, doch den Menschen selbst half das Erzählen ihrer traumatischen Erfahrungen oft nicht.

Den Wendepunkt beschreibt sie selbst als ein tief berührendes Erlebnis. Im heutigen Südsudan interviewte sie ein junges Mädchen, das schwere Gewalterfahrungen überlebt hatte. Nach dem Gespräch zeigte das Mädchen deutliche Anzeichen einer traumatischen Überforderung und Dissoziation. Gunilla Hamne wurde schmerzlich bewusst, dass sie zwar eine Geschichte mitnehmen konnte, das Mädchen jedoch mit seiner Not zurückblieb. Diese Erfahrung ließ sie nicht mehr los.

Auf der Suche nach einer wirksamen und zugleich einfach anwendbaren Methode nahm sie Kontakt zu Carl Johnson auf. Er hatte die Thought Field Therapy (TFT) bereits erfolgreich bei schwer traumatisierten Menschen im Kosovo eingesetzt. Gunilla Hamne erlernte die Methode, arbeitete später gemeinsam mit ihm in Ruanda und begann, sie konsequent zu vereinfachen.

Aus dem Wunsch heraus, Menschen auch unter schwierigsten Bedingungen schnell, wirksam und ohne große sprachliche Hürden unterstützen zu können, entstand schließlich die Trauma Tapping Technique (TTT) – eine Methode, die nicht nur Einzelnen helfen, sondern auch Gemeinschaften stärken soll, indem sie leicht erlernbar ist und von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.