Hypnosystemik

„Jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt niemanden auf der Welt, der genau so ist wie Sie. Und gerade deshalb tragen Sie auch die Lösung Ihrer Probleme bereits in sich.“ Milton H. Erickson

„Da alles Erleben Ergebnis und Ausdruck von Fokussierung ist, wird zur zentralen Frage, wohin sollten wir den Fokus lenken, so dass ein gewünschtes Erleben zieldienlich aktiviert wird.“ Gunther Schmidt

Von Dr. med. Dipl.rer.pol. Gunther Schmidt, einem meiner prägendsten und inspirierendsten Lehrer, dem ich auch persönlich sehr dankbar bin, erhielt ich meine Zertifizierung als Hypno-systemische Coachin.

Hypnosystemik

Ein Ansatz, der verbindet:
Systemisches Denken und Erickson’sche Hypnotherapie – wissenschaftlich fundiert, kreativ, kompetenzfokussiert,
getragen von der Überzeugung, dass in jedem Menschen mehr Möglichkeiten leben,
als es auf den ersten Blick scheint.

Vor rund 45 Jahren entwickelte Gunther Schmidt das hypnosystemische Konzept als eigenständigen therapeutischen Ansatz. Er verband systemisch-konstruktivistische Denkweisen mit der Hypnotherapie nach Milton H. Erickson – und schuf damit ein integratives Modell, das wissenschaftlich begleitet, kontinuierlich reflektiert und weiterentwickelt wurde.

Hypnosystemisches Arbeiten versteht Symptome nicht als Defizite, sondern als sinnvolle, kreative, kompetente und kontextgebundene Lösungsversuche. Im Zentrum stehen Beziehung, Kompetenzen- und Ressourcenaktivierung und die gezielte Nutzung innerer Erfahrungsräume – im Einklang mit Erkenntnissen moderner Neurobiologie.

Heute findet die Hypnosystemik sehr erfolgreich Anwendung in Psychotherapie und Coaching ebenso wie in Supervision und Organisationsentwicklung – national wie international.


Das Besondere

Unmittelbar hilfreich und selbstermächtigend ist es, die Aufmerksamkeit auf die unter den "Problemen" und "Symptomen" schlummernde Weisheit zu richten, sich zu öffnen für die Botschaften der unterliegenden Bedürfnisse, Sehnsüchte – und konsequent die Kompetenzen zur Selbstheilung in den Fokus zu rücken, die Menschen schon in sich tragen – mögen sie auch noch so verborgen sein – Schätze, die nur darauf warten, mit kreativen, originellen, unkonventionellen Werkzeugen geborgen zu werden.

„Hypnosystemisch meint die Umlenkung der Aufmerksamkeit auf die eigenen Kompetenzen.
Die Kompetenzen sind latent im Erlebnisrepertoire vorhanden und müssen nur aktiviert werden.“
Gunther Schmidt

Mit Methoden und Techniken, die direkt und ohne Umwege unsere intuitiven, unbewussten bzw. unwlllkürlichen Muster ansprechen  - Gunther Schmidt spricht von "neuronalen Netzwerken", ist es das Ziel, die Aufmerksamkeit von unserem "Problem-Erleben" systematisch und konsequent auf Erinnerungen und Erfahrungen umzulenken, in denen wir uns sicher, geschützt, in unserer Kraft und Energie, voll Zuversicht und Hoffnung erlebten und dieses Er-leben wieder zu be-leben.

"Symptome" oder "Probleme" sehen wir als weise Botschaften und Ausdrucksweisen unseres Organismus an - von unerfüllten Sehnsüchten, Wünschen, Bedürfnissen und wenn wir uns wagen, sich diesen anzunähern, tun sich Wege auf, diese zu erfüllen, unsere Ziele zu erreichen. Diesen kostbaren Schatz von intuitiven Fähigigkeiten und Ressourcen gilt es zu bergen.

„Wir erzeugen zwar nicht unser Leben selbst, aber im Wesentlichen unser Er-Leben.“ Gunther Schmidt

Wir leiden zumeist nicht am „Problem“ selbst, sondern wie wir es erleben – und unser Erleben wird von uns selbst jede Sekunde, permanent und kontinuierlich selbst erzeugt - wir selbst-erleben ein Problem, er-schaffen es selbst, also können wir auch jederzeit alternative Erlebensweisen er-schaffen.

Denn wenn wir wieder Zugang zu uns selbst als fähig und in unserer Kraft finden, können wir viel eher Energien mobilisieren, Phantasie und Kreativität entfalten, Alternativen, Lösungen finden, als wenn wir uns eher hilflos, oder gar als "Opfer" erleben.

Mehr lesen: Gunther Schmidt und Hypnosystemik

Gunther Schmidt und der hypnosystemische Ansatz

Dr med. Dpil. rer.pol. Gunther Schmidt gilt international als einer der wichtigen Pioniere der Verbindung von systemischer Therapie und Erickson’scher Hypnotherapie. Als Mitglied der Heidelberger Gruppe um Helm Stierlin war er seit den 1970er-Jahren maßgeblich an der Entwicklung der systemischen Therapie und Familientherapie im deutschsprachigen Raum beteiligt. Die Heidelberger Gruppe stand dabei in engem fachlichen Austausch mit der Mailänder Gruppe um Mara Selvini Palazzoli und mit anderen internationalen Wegbereitern systemischen Denkens.

Es war eine Zeit großer Offenheit und intellektueller Neugier, in der die Grenzen zwischen den Disziplinen erstaunlich durchlässig wurden. Eine prägende Gestalt dieses Denkens war Gregory Bateson, ein großer Grenzgänger des Denkens und Grenzüberschreiter zwischen den Disziplinen. Als Anthropologe, Biologe, Kybernetiker und Ökologe suchte er gerade dort nach Erkenntnis, wo sich unterschiedliche Wissensgebiete berührten – und immer wieder nach den Mustern und Beziehungen, die das scheinbar Getrennte miteinander verbinden.

Wichtige Impulsgeber für die Entwicklung systemischen Denkens waren darüber hinaus Paul Watzlawick und die Arbeiten aus dem Umfeld von Palo Alto, ebenso Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld sowie die Biologen Humberto Maturana und Francisco Varela. Aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven eröffneten sie neue Sichtweisen darauf, wie Menschen wahrnehmen und kommunizieren, wie Wirklichkeiten entstehen und wie lebende Systeme sich organisieren und verändern.

Besonders folgenreich wurden dabei der Konstruktivismus und das von Maturana und Varela entwickelte Konzept der Autopoiese – wörtlich etwa: „sich selbst hervorbringend“. Lebende Systeme werden darin als selbstorganisierend verstanden: In fortwährenden Prozessen bringen sie sich selbst hervor und erhalten sich zugleich. Von außen lassen sie sich deshalb nicht einfach zielgerichtet steuern oder verändern.

Auch Wirklichkeit kann aus konstruktivistischer Perspektive niemals unabhängig von der beobachtenden Person „objektiv“ abgebildet werden. Was wir wahrnehmen und erleben, ist immer mitgeprägt von unseren Erfahrungen, Unterscheidungen und Bedeutungsgebungen. Erlebte Realitäten sind kontextbezogen – sie entstehen in konkreten ökologischen, sozialen, kulturellen und biografischen Zusammenhängen und können sich verändern, wenn sich der Kontext oder unsere Perspektive auf ihn verändert.

Mit diesen Entwicklungen vollzog sich zugleich ein grundlegender Paradigmenwechsel: weg von der Vorstellung, menschliches Erleben und Verhalten ließen sich vor allem durch die Suche nach eindeutigen Ursachen erklären, und hin zu einem Denken in Wechselwirkungen, Beziehungen, Kontexten und zirkulären Prozessen. Statt zu fragen, was ein Problem verursacht hat, rückte zunehmend in den Blick, wie es in einem bestimmten Zusammenhang entsteht und aufrechterhalten wird, was einen Unterschied macht – und unter welchen Bedingungen Veränderung möglich wird.

Für therapeutische Arbeit hat dieser Perspektivwechsel weitreichende Konsequenzen: Es gibt nicht die eine, von außen feststellbare Wirklichkeit eines Menschen und ebenso wenig eine für alle passende Lösung. Veränderung lässt sich nicht verordnen. Sie kann jedoch angeregt und durch Bedingungen unterstützt werden, unter denen Menschen neue Wahrnehmungen, Bedeutungen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln können.

Eine wichtige Einflusslinie reicht dabei unmittelbar zu Milton H. Erickson zurück. Bereits in den frühen Jahren systemischen Denkens standen einige seiner späteren Wegbereiter, darunter Jay Haley und John Weakland aus dem Umfeld Gregory Batesons, in engem Austausch mit Erickson. Seine ungewöhnliche Art therapeutischen Arbeitens gab prägende Impulse für die entstehende systemische und strategische Therapie.

Gunther Schmidt weist immer wieder darauf hin, dass viele Interventionen, die später als typisch „systemisch“ bekannt wurden, ihre Wurzeln bereits in der Erickson’schen Hypnotherapie haben – etwa die positive Konnotation oder die Symptomverschreibung. Für Schmidt wurde diese Verbindung auch persönlich prägend: 1979 hatte er die Gelegenheit, bei Milton Erickson selbst in Phoenix zu lernen. Die Erfahrungen dort beeinflussten sein weiteres Denken und Arbeiten nachhaltig und wurden zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die Entwicklung seines hypnosystemischen Ansatzes.

Wichtige Impulse kamen dabei auch aus der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie Steve de Shazers und der Weiterentwicklung Erickson’scher Hypnotherapie durch Stephen Gilligan. Hinzu kommen Anregungen aus weiteren therapeutischen Verfahren wie Psychodrama, Körpertherapie, Logotherapie und Energetischer Psychotherapie.

Diese Offenheit für unterschiedliche Perspektiven prägt auch die weitere Entwicklung des Ansatzes. Gunther Schmidt sucht immer wieder den Dialog mit den Neurowissenschaften und bezieht Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns, über Wahrnehmung, Lernen und die Veränderbarkeit neuronaler Prozesse in sein hypnosystemisches Denken ein. Dabei geht es nicht darum, menschliches Erleben auf Vorgänge im Gehirn zu reduzieren, sondern unterschiedliche Beschreibungsebenen miteinander in Beziehung zu setzen.

Im Mittelpunkt steht dabei eine ebenso einfache wie weitreichende Annahme: Menschen verfügen über sehr viel mehr Fähigkeiten, Erfahrungen und innere Ressourcen, als ihnen in belastenden Lebenssituationen bewusst zugänglich sind. Auch nach langen Phasen des Leidens sind diese Kompetenzen nicht verloren. Unter geeigneten Bedingungen können sie wieder zugänglich und für gewünschte Veränderungen nutzbar werden.

Eine besonders konsequente Weiterführung dieses Perspektivwechsels findet sich in der lösungsfokussierten Arbeit Steve de Shazers. Pointiert kommt diese Haltung in dem ihm zugeschriebenen Satz zum Ausdruck: „Problem talk creates problems. Solution talk creates solutions.“ Der Blick richtet sich darauf, wann das Problem nicht oder weniger auftritt, was bereits gelingt und woran ein Mensch erkennen würde, dass sich etwas in die gewünschte Richtung verändert. So werden Ausnahmen, Unterschiede und bereits vorhandene Spielräume sichtbar.

Hier setzt Gunther Schmidt einen eigenen Akzent. Die konsequente Ressourcen- und Lösungsorientierung verbindet er mit einer ebenso konsequenten Würdigung des Problemerlebens und des erlittenen Leids. Belastende Symptome, Gefühle oder Verhaltensweisen sollen nicht möglichst schnell beseitigt werden – Schmidt spricht in diesem Zusammenhang augenzwinkernd von „Killer-Aufträgen“. Sie werden zunächst ernst genommen und in ihrem jeweiligen Lebenszusammenhang gewürdigt. Auch scheinbar problematisches Verhalten kann so als bisheriger kompetenter Lösungsversuch für wichtige Bedürfnisse verstanden werden – ein Lösungsversuch, der einmal sinnvoll oder notwendig gewesen sein mag, inzwischen jedoch mit einem hohen Preis verbunden sein kann.

Ressourcenorientierung bedeutet in diesem Verständnis deshalb gerade nicht, Leid zu übergehen oder möglichst schnell „positiv“ umzudeuten. Leid darf Leid sein. Grenzen dürfen anerkannt und bisherige Bewältigungsversuche empathisch gewürdigt werden. Erst auf dieser Grundlage kann gemeinsam erkundet werden, welche anderen Möglichkeiten heute zur Verfügung stehen und welche Entwicklung sich für den jeweiligen Menschen stimmig anfühlt.

Der von Gunther Schmidt und Stephen Gilligan geprägte Begriff der „Problemtrance“ beschreibt sehr anschaulich, wie belastendes Erleben unsere Aufmerksamkeit so stark binden und einengen kann, dass immer wieder dieselben Wahrnehmungen, Bewertungen, Gefühle und Erwartungen in den Vordergrund treten. Andere Erfahrungen und Möglichkeiten geraten dabei zunehmend aus dem Blick.

Hypnosystemische Arbeit versucht nicht, dieses Erleben zu bekämpfen, sondern den eingeengten Aufmerksamkeitsfokus wieder zu erweitern, sodass auch andere Erfahrungen, Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten zugänglich werden können.

Therapeutische Arbeit wird dabei als Kooperation auf Augenhöhe verstanden. Menschen sind nicht passive Empfänger einer Behandlung, sondern gleichberechtigte Partner im Veränderungsprozess. Ihr eigenes Erleben, ihre Erfahrungen und ihr Wissen um sich selbst bilden dabei eine wesentliche Grundlage. Aufgabe professioneller Begleitung ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen vorhandene Fähigkeiten, intuitives Wissen und neue Handlungsmöglichkeiten wieder erfahrbar werden können.

Zugleich wird der einzelne Mensch niemals isoliert betrachtet. Wir leben eingebunden in Beziehungen, soziale Systeme und größere Zusammenhänge. Psychisches Erleben erschließt sich deshalb häufig erst in seinem jeweiligen Kontext. Autonomie und Zugehörigkeit sind dabei keine Gegensätze: Menschen brauchen die Erfahrung, selbstbestimmt handeln und ihre Fähigkeiten einbringen zu können – und zugleich verlässlich verbunden und zugehörig zu sein. Dazu kann auch die Erfahrung gehören, über das eigene Ich hinaus etwas als sinnvoll zu erleben und zu etwas Größerem beizutragen – bis hin zu spirituellen Dimensionen, wenn diese für einen Menschen bedeutsam sind.

Im besten Fall können so unser bewusstes Denken und unser intuitives Erfahrungswissen wieder miteinander in Verbindung kommen – oder, mit Gunther Schmidt gesprochen, die kognitive Brillanz mit der „Herzensweisheit“.

Von der Psychotherapie bis zur Organisationsentwicklung

Die große Spannweite von Gunther Schmidts klinischer Arbeit – von schweren psychischen und psychosomatischen Belastungen über Sucht- und Essstörungen bis hin zu Paar- und Familientherapie – zeigt, dass der hypnosystemische Ansatz nicht auf einzelne Störungsbilder und auf den therapeutischen Kontext beschränkt ist.

Ein weiterer zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit liegt seit vielen Jahren in der Übertragung systemischer und hypnotherapeutischer Konzepte auf Coaching, Persönlichkeitsentwicklung sowie Organisationsberatung und Organisationsentwicklung – sowohl in der unmittelbaren Arbeit mit Organisationen als auch in der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften und Menschen aus Beratung und Organisationsentwicklung.

Diese große Spannweite verweist auf einen Grundgedanken des hypnosystemischen Ansatzes: Ob in Therapie, Beratung, Coaching oder Organisationen – immer geht es auch darum, Bedingungen zu gestalten, unter denen Menschen Zugang zu ihren vorhandenen und bislang weniger zugänglichen Kompetenzen finden und diese unter ihren jeweiligen Lebens- und Arbeitsbedingungen nutzen können.

Gunther Schmidt ist Leiter des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg und Ärztlicher Direktor der sysTelios Privatklinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung in Siedelsbrunn. Beide stehen für die konsequente Weiterentwicklung und praktische Umsetzung hypnosystemischer Konzepte.

Was ich an Gunther Schmidt besonders schätze

Was ich an Gunther Schmidt über seine fachliche Arbeit hinaus besonders schätze, ist die Menschlichkeit, mit der er diese Haltung selbst verkörpert. Trotz seiner großen fachlichen Bekanntheit und Anerkennung habe ich ihn als ausgesprochen bodenständig erlebt – zugewandt, annehmend und ohne den Anspruch, über anderen zu stehen.

Dazu kommen seine Unkonventionalität, Originalität und sein Humor, die auch schwierigen und ernsten Themen etwas Leichtes geben können, ohne sie deshalb weniger ernst zu nehmen. Und ich habe ihn als einen außergewöhnlich guten Lehrer erlebt: komplexe Zusammenhänge differenziert zu denken und zugleich so zu vermitteln, dass sie lebendig, anschaulich und praktisch erfahrbar werden.

Für mich wird darin etwas Wesentliches des hypnosystemischen Ansatzes unmittelbar spürbar: Menschen in ihrer Eigenart anzunehmen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, in Resonanz zu gehen, offen zu bleiben.

Damit reicht der hypnosystemische Ansatz für mich weit über Psychotherapie und Coaching hinaus. In Gunther Schmidts Denken geht es immer auch um die Frage, wie Bedingungen gestaltet werden können, unter denen Menschen Würde, Eigenständigkeit, Zugehörigkeit und Mitgestaltung erfahren.

Für mich lässt sich dieser Gedanke noch weiterführen: zu der Frage, wie wir miteinander und mit unserer Mitwelt leben wollen und welche Bedingungen wir brauchen, damit Leben gedeihen kann. So verbindet sich hypnosystemisches Denken für mich mit einer Haltung gegenseitiger Achtung, demokratischer Teilhabe, mitmenschlicher und ökologischer Verantwortung – und mit der Erfahrung, Teil eines größeren Zusammenhangs zu sein.